Was ist LiveLooping?
Mit Hilfe von digitalen Livelooping-Geräten können Solomusiker ein paar Takte
ihrer live gespielten Musik aufnehmen. Auf Knopfdruck können diese Geräte die Aufnahme
dann nicht nur sofort abspielen und als Schleife wiederholen, sondern auch noch
gleichzeitig weiter aufnehmen, sodaß man immer weitere Tonspuren dazu spielen kann
- man könnte von Echtzeit - Mehrspuraufnahmen sprechen. Ein Livelooping-Solomusiker
kann sich auf diese Weise live sozusagen selbst vervielfältigen; dabei gibt es keine
stilistischen Begrenzungen. Viele Arten von Musik können mit Hilfe von Livelooping
aufgeführt werden, vom Folksong über Ambient, Rock und Jazz bis zur Avantgarde-
Klangforschung.
Tape Loops
Ein Loop ist eine Schleife; ein Tape Loop ist eine Tonbandschleife, einfach ein
beliebig langes Stück Tonband, das an den Enden zusammengeklebt ist.
In der Musique Concrète und Tonbandmusik der frühen 50er Jahre wurden solche
Tonbandschleifen eingesetzt wie noch heute die digitalen Sampler in der Pop- und Hiphopmusik:
zur Wiedergabe von beliebigen Klängen (Instrumenten, aber auch Stimmen oder Geräuschen)
als Bestandteil einer Komposition.
Realtime Looping
In den frühen 60er Jahren stellte ein Studiotechniker, der für den kalifornischen
Minimalisten Terry Riley arbeitete, zwei Tonbandgeräte nebeneinander: das linke Gerät
konnte einen live gespielten Klang auf Band aufnehmen, das Tonband wurde dann zum rechten Gerät
herübergeführt und erst dort abgespielt - mit einer Verzögerung (Delay) von mehreren Sekunden,
also einem Echo, dessen Länge von der Entfernung der beiden Geräte abhing.
Darüber hinaus wurde der Klang gleichzeitig wieder per Kabel in das linke
Tonbandgerät eingespielt und dort aufgenommen, lief erneut über das Tonband und so
weiter. Eine Möglichkeit zum Echtzeit-Looping war geschaffen, bei dem live gespielte
Musik gleichzeitig aufgenommen und dann wiederholt wiedergegeben werden konnte:
das LiveLooping war geboren.
"Tape Echo on 2 Machines", aus: David Keane: Tape Music Composition, 1980
LiveLooping-Pioniere
Terry Riley erkannte die Möglichkeiten dieser Erfindung und wurde der erste Livelooper.
Er nannte sein Tonbandgeräte-Setup "Time Lag Accumulator" und wurde in den späten 60ern mit seinem
psychedelischen Loop-Stück "A Rainbow in Curved Air" und nächtelangen loop-basierten
"All Night Flights" weltbekannt.
Später brachte der Ambient-Musik-Erfinder Brian Eno, dessen erste Ambient-Werke ("Discreet Music" / "Music for Airports") mit Tape Loops realisiert wurden, dem King-Crimson-Gitarristen Robert Fripp diese Technik bei. Fripp erzeugte dann in den späten 70ern mit seiner elektrischen Gitarre und seinem "Frippertronics" - Tonbandsystem ungewöhnliche Klanggebilde und machte die Möglichkeiten des Livelooping vor allem Gitarristen bewußt, die nach neuen musikalischen Wegen suchten.
Seit den 80ern kann Livelooping mit Hilfe von analogen, später digitalen Loop-Delays erzeugt werden; es gibt mittlerweile eine reichhaltige Auswahl an einfachen und komplexen Loop-Geräten und an Software für das Livelooping aus dem Computer.
Livelooping heute
Mit Hilfe des Internet hat sich eine höchst lebendige internationale Livelooping-Szene
entwickelt, eine Musiker-Community aus Vertretern aller möglichen Musikstile.
Seit über 10 Jahren werden die technischen und musikalischen
Aspekte des Livelooping auf der Looper's Delight-Mailingliste diskutiert.
In Amerika, Europa und Japan finden regelmäßig Festivals für Loop-basierte Musik statt.

Während die Loop-Musiker, die sich selbst explizit als solche bezeichnen, die Loops in den stilistischen Mittelpunkt ihrer Musik stellen, gibt es heute kaum noch Rockgitarristen, Avantgarde-Klangforscher und Singer-Songwriter, die nicht hier und da Loop-Geräte als Erweiterung ihrer Möglichkeiten benutzen. Das Livelooping hat längst in den Musik-Mainstream Einzug gehalten.
Links (in deutscher Sprache)
Wikipedia-Eintrag "Loop"
Links (in englischer Sprache)
Wikipedia-Eintrag "Livelooping"
Wikipedia-Eintrag "Music Loop"
A Short History of Looping Music
Looper's Delight
Livelooping.org (im Aufbau)
GuitarPlayer-Artikel von Barry Cleveland
Thea Cooke: The Merit of the Loop(er)
Das Chain-Tape-Collective besteht aus über 100 internationalen Musikern, die mit Hilfe des Internets
CD-Projekte verschiedenster Stile zusammen realisieren. Viele der Musiker sind auch Livelooper.
Jede CD kann kostenlos angehört und heruntergeladen werden.
Das Festival
Nach einem ersten kleinen Festival 2003 in Berlin wird dies das erste größere Livelooping-Festival in Deutschland sein. Zehn Livelooper aus dem In- und Ausland präsentieren jeweils eine halbe Stunde lang ihre ganz individuelle Loop-Musik-Variante.
Dabei werden Ambient-Klänge zu hören sein, aber auch Gitarrengrooves, abstrakte Klänge aus dem Computer sowie Experimente mit Spielzeuginstrumenten oder anderen ungewöhnlichen Klangerzeugern.
Der Zeitplan
Wir müssen aus Lärmschutzgründen um 23 Uhr fertig sein.
Hier die geplante Set-Reihenfolge:
18:00 Michael Peters
18:30 Michael Frank
19:00 Harald Sack Ziegler
19:30 Fabio Anile
20:00 Craig Green
20:30 Luis Angulo
21:00 Markus Reuter
21:30 Stefan Tiedje
22:00 Fear Falls Burning
22:30 Rick Walker's LooppooL
Wann und wo
Achtung - früher Beginn !!
| Ort: |
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LOFT, Köln-Ehrenfeld, Wissmannstr. 30 |
| Zeit: |
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31. Mai 2008, Einlaß 17 Uhr, Beginn pünktlich um 18 Uhr |
| Eintritt: |
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8 Euro |
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Mit dem Auto: Es gibt keine Parkmöglichkeit am Loft, und in der Umgebung ist es auch sehr schwierig, einen Parkplatz zu finden
Straßenbahn: Linie 5, Haltestelle Liebigstr.
S-Bahn: Haltestelle Köln-Ehrenfeld (und noch ein bißchen laufen)
Straßenkarte (Google Maps)
Rick Walker's LooppooL
www.looppool.info/bio.html
Rick Walker, eine der zentralen Figuren der Livelooping-Bewegung, lebt in Santa Cruz in Kalifornien. Er veranstaltet seit mehreren Jahren dort das größte Livelooping-Festival der Welt - jeden Oktober treffen sich dort mehrere Dutzend Loop-Musiker aus vielen Ländern für Konzertwochenenden.
Rick Walker ist erfahrener Perkussionist und Multiinstrumentalist, Rhythmuslehrer, Komponist und Sessionmusiker. Seit einigen Jahren hat er sich auf die Improvisation mit "found sounds", ungewöhnlichen und bizarren Instrumenten, in Kombination mit Elektronik und Livelooping spezialisiert.
Im Rahmen seiner Europatournee im Jahr 2003 war Walker bereits in Köln (in der Galerie Haferkamp) und auf einem kleineren Loopfestival in Berlin zu Gast.
Fear Falls Burning
www.fearfallsburning.be
Dirk Serries aus Belgien ist seit den 80er Jahren unter dem Namen "Vidna Obmana" für die Fans der Ambient-Musik ein fester Begriff. Im Jahr 2005 beendete er dieses Projekt und begann ein neues unter dem Titel "Fear Falls Burning". Auch hier stehen hypnotische Ambient-Klänge auf dem Programm, aber Serries erzeugt sie nun auf einer elektrischen Gitarre und einem Arsenal von Effektgeräten, typischerweise als ausgedehnte Improvisation.
Die Wurzeln dieser Musik sieht Serries in der Drone-Musik, die in den 60er Jahren zeitgleich mit der Minimal Music entstand, die aber in der Gitarrenvariante von Fripp & Eno und ihrem "No Pussyfooting"-Album begründet wurde, einem der Meilensteine der Livelooping-Musik.
Harald Sack Ziegler
www.haraldsackziegler.de
Ziegler ist seit den frühen 80er Jahren eine feste Größe der Kölner Musikszene und dank seiner vielen Solokonzerte und Kooperationen sowie seiner zahlreichen Veröffentlichungen (z.B. auf dem Staubgold-Label) auch weit darüber hinaus bekannt.
Seine Mischung aus Humor und absurden Texten in Kombination mit Horn und seltsamen Spielzeuginstrumenten ist unverwechselbar. Seit vielen Jahren setzt Ziegler auch auf Livelooping-Techniken, um sich sozusagen selbst zu begleiten.
Markus Reuter
www.myspace.com/olderthangod
Reuter, ursprünglich ein Pianist, studierte Musiktheorie und Komposition bei Karlheinz Straetmanns in der Tradition von Paul Hindemith und Harald Genzmer. Später wechselte er zum Chapman Stick und der Warr Guitar, auf der man mit beiden Händen per Tapping-Technik wie auf einem Keyboard spielt. Mit diesen Instrumenten studierte Reuter bei Daniel Schell und Robert Fripp, bevor er selbst als Touch-Guitar-Lehrer tätig wurde.
Seit Jahren spielt Reuter in einer Reihe von Formationen: dem Europa String Choir, der im Rahmen der Guitar Craft-Kurse bei Fripp entstand; dem Elektronik-Projekt Centrozoon, bei dem oft der englische Sänger Tim Bowness mitwirkt; dem Duo Tuner mit dem King-Crimson-Drummer Pat Mastelotto. Außerdem ist Reuter als Produzent und Studiomusiker tätig.
Craig Green
www.craigjgreen.com
Craig Green ist ein Komponist und Gitarrist aus Idaho. Seine vielseitigen Musikkenntnisse erwarb er auf unzähligen Reisen durch die Welt und Begegnungen und Studien mit Musikern aus vielen Traditionen, z.B. aus Kuba, Spanien und Indien.
Green hat Musik für Film, Ballett und Bühne komponiert, aber sein Schwerpunkt liegt auf Improvisation und dem Zusammenspiel mit anderen Musikern. Zuletzt war er mit Pat Martino, Ray Charles und Jeff Kaiser auf der Bühne zu sehen.
Michael Frank
www.theabsurd.de
Michael Frank ist ein Kölner Gitarrist, dessen Wurzeln zwar klar in der Musik der 60er und frühen 70er Jahren liegen, aber nicht auf Jimi Hendrix beschränkt sind - seine musikalische Vielseitigkeit und seine Detailkenntnisse der neueren Musikgeschichte kommen nicht nur seinen Musikschülern zugute, sondern auch den regelmäßigen Hörern seiner Soundcheck-Sendung im Deutschlandfunk.
Neben Kooperationen mit Jazz-, Rock- und Avantgarde-Musikern ist Frank vor allem für seine Avant-Rock-Formation "The Absurd" tätig, die vor zwei Jahren ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern konnte. Hier kommen seltsame Klänge aus alten Plattenspielern, Elektronik und Livelooping mit Jazz- und Rockstrukturen zusammen. Kollektive Improvisation steht immer wieder im Mittelpunkt, aber es gibt auch komplexe Kompositionen, die sich oft durch ungerade Metren á la Soft Machine, eingängige Riffs und politische Texte auszeichnen.
The Absurd sind wenige Tage vor dem Loopfestival, am 27. Mai, im LOFT zu sehen und hören.
Fabio Anile
www.eterogeneo.com
Fabio Anile, der sich als Solo-Musiker auch "eterogeneo" nennt, lebt und arbeitet in Rom. Anile ist ausgebildeter klassischer Pianist und spielte viele Jahre solo und in Bands, live und im Studio, akustisch und elektrisch. Seit etwa 15 Jahren hat er sich auf Ambient-Musik spezialisiert. In Rahmen dieses Genres hat Anile Klanginstallationen geschaffen, aber auch in Ambient-Bands gespielt, die noch immer aktiv sind.
In den letzten Jahren hat er auf der Basis der Livelooping-Technik seinen derzeitigen Solo-Musikstil entwickelt, der sich an Minimalismus, Ambient und Elektronik orientiert - aber vor allem wunderschön klingt.
Stefan Tiedje
www.myspace.com/ondesmemorielles
Stefan Tiedje spielt ein selbstprogrammiertes Instrument, das er "Les Ondes Memorielles" nennt. Damit lässt sich eine Erinnerung des Gehörten spielen wie ein Instrument. Die verwendeten Klänge sind immer die Klänge des Augenblicks, entweder von anderen Musikern, oder von Stefans Stimme und diversen Klangobjekten. Auf die Frage nach einem Stil bekommt man zur Antwort: "irgend etwas zwischen Heavy Mental und Holy Metal".
Tiedje lebt in Berlin und arbeitet in Paris beim Centre Creation Musical Iannis Xenakis, einem elektronischen Studio, das aus dem ursprünglichen Les Ateliers UPIC von Iannis Xenakis hervorgegangen ist. Er entwickelt dort virtuelle Instrumente auf der Basis von Max/MSP.
Luis Angulo
www.myspace.com/luisangulocom
Angulo wuchs in Mexiko (Baja California) auf und spielte dort mit seinem Bruder in Rock- und Coverbands, bevor er in San Diego Weltmusik studierte und an verschiedenen afrikanischen und afro-kubanischen Projekten beteiligt war. 1996 zog Angulo nach Deutschland an den Bodensee, spielt dort aber weiterhin als Gitarrist und Sänger in afro-kubanischen Bands.
Seit einigen Jahren arbeitet er, von Rick Walker und dem Echoplex-Erfinder Matthias Grob beeinflußt, an seinem Loop-basierten Soloprojekt, das elektronische Experimente, eingängige Melodien, kraftvollen Gesang, Rockrhythmen und Weltmusikklänge zu einer höchst interessanten und lebendigen Mischung verwebt.
Michael Peters
www.michaelpeters.de
Der Kölner Gitarrist (und diesjähriger Festivalveranstalter) Michael Peters zeichnet sich vor allem durch seine Vielseitigkeit aus. Stilistische Einflüsse kommen von Nicht - Mainstream - Gitarristen wie Fripp, Torn oder Aarset, aber er liebt auch die noch schrägeren Klänge, wie sie etwa Fred Frith seiner Gitarre entlockt. Seit den frühen siebziger Jahren spielte Peters nicht nur in Punk - Bands, Ambient - Projekten, Rock - Coverbands, Fripp - beeinflussten Guitar - Craft - Trios und Free - Improv - Nu - Jazz - Gruppen, sondern realisierte auch eine Vielzahl von Soloprojekten, darunter CD - Veröffentlichungen mit Ambient - Musik, experimentellen Klangcollagen und algorithmischer Computermusik.
Die Anfänge seines aktuellen Gitarren - Livelooping - Projektes wurden im letzten November auf seiner England - Tournee gelegt und sind auf seiner Website zu hören.
Impressum
Michael Peters, Neuensaaler Str. 35, 51515 Kürten
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